Die Folgen psychischer Gewalt | frauensicherheit

Die Folgen psychischer Gewalt

Psychische Gewalt in der Familie wird nicht nur von Richtern sondern auch von psychiatrischen Gutachtern regelmäßig verniedlicht als „naja, da ist halt viel gestritten worden in der Familie“.

Dass psychische Gewalt die gleichen psychischen Folgen hat wie sexuelle oder schwere körperliche Gewalt, wird – obwohl seit über 20 Jahren wissenschaftlich belegt – noch immer ignoriert. Im Gegensatz zu körperlicher Gewalt sind die Abläufe und Auswirkungen psychischer Gewalt in ihrer gesamten Tragweite für Außenstehende schwer nachvollziehbar. Das besonders perfide der psychischen Gewalt ist nämlich, dass die Opfer keine sichtbaren Spuren vorweisen können, während die Täter sich nach außen oft als besonders charmante und geistreiche Zeitgenossen präsentieren. Dadurch werden die Opfer selbst im engen Bekanntenkreis häufig als hysterisch oder verrückt abgestempelt, wenn sie, oft erst nach Jahrzehnten des Martyriums, endlich wagen, ihr Leid öffentlich zu machen.

Auf neuropsychologischer Ebene wurde nachgewiesen, dass psychische und körperliche Gewalt in den Schmerz- und Stresszentren des Gehirns zu ein und derselben Reaktion führen. Welche Belastung es für die Opfer bedeutet, sich immer und immer wieder vor Richter, Anwalt oder Gutachter rechtfertigen zu müssen, und trotzdem keine Anerkennung des erlebten Leids zu erfahren sondern sogar als Provokateur/in und Mitschuldige/r verunglimpft zu werden, ist aus den Verfahren um sexuellen Missbrauch hinreichend bekannt.

Die rechtliche Anerkennung der psychischen Gewalt als Straftat ist dazu noch vergleichsweise jung. Aufgrund der Komplexität der Thematik würde es für derartige Verfahren Richter brauchen, die eine gewisse Grundbildung im Bereich Psychotraumatologie haben. Auch Gutachter müssten zu diesem Thema speziell sensibilisiert werden und unter Umständen zeitgemäße Messverfahren, wie z.B. Funktionale Magnetresonanztomographie (MRT), zur objektiven Quantifizierung von Traumafolgen zum Einsatz bringen.

Bei den Tätern, die häufig eine narzisstische Persönlichkeitsstörung bei vergleichsweise hoher Intelligenz aufweisen, kann auf keinen Fall mit Einsicht gerechnet werden, denn sie sind aufgrund ihrer Pathologie unfähig, Mitleid oder Schuld zu empfinden. Und „offensichtlich“ haben sie ja nichts getan, da es keine nach außen sichtbaren Spuren gibt.