Sicherheit durch Abtrennung? | frauensicherheit

Sicherheit durch Abtrennung?

Die Wiener Stadträtin Ulrike Nittmann hat den Vorschlag gemacht, in Wien des Nachts in U-Bahn und Straßenbahn eigene Frauenwaggons einzuführen, um so Frauen vor der Belästigung durch Männer zu schützen und damit das subjektive Sicherheitsgehfühl zu erhöhen. Abgesehen davon, dass diese Maßnahme in Wien rein technisch nur sehr aufwendig umsetzbar wäre, ist sie auch absolut kontraproduktiv in Bezug auf ein friedliches Zusammenleben. Für viele Frauen mag diese Idee primär ja durchaus verlockend klingen, weil ihnen auf den ersten Blick gar nicht klar ist, dass sie dadurch ein Stück Freiheit und Selbstbestimmung verlieren. Denn was sagt es über eine Gesellschaft aus, wenn Frauen zu ihrer Sicherheit separiert werden müssen? Bedeutet das dann im Umkehrschluss, dass Frauen, die nicht den Frauenwaggon benützen, damit einverstanden sind, belästigt zu werden? Diese Maßnahme entspringt demselben Geist, der Frauen auch das Tragen des Hidjab als „Schutz“ vor den lüsternen Blicken der Männer empfiehlt: Frauen müssen sich zurückziehen und verstecken, um sicher zu sein.

Obwohl Wien eine der sichersten Städte der Welt ist, boomen seit Jahren Selbstverteidigungskurse für Frauen, wo Ellenbogenstöße, Fußtritte und manchmal auch der Umgang mit Pfefferspray geübt wird – das zeigt, dass viele Frauen ein tiefsitzendes Bedürfnis nach mehr Sicherheit haben. Woher dieses diffuse Gefühl der Unsicherheit, dafür gibt es viele Ansätze – von der Broken-Windows-Theorie über politisch gesteuerte Angstmache bis zu tendenziöser Medienberichterstattung. 

In Wirklichkeit geht es aber nicht darum, dass Frauen durch ein paar Tritte und Schläge auf einen dick gepolsterten „Bad-Man“ die Symptome ihrer Angst kaschieren, oder sich einmal abreagieren (obwohl das natürlich auch sehr lustvoll sein kann). Vielmehr ist es wichtig, das Problem an der Wurzel anzugehen: Gewalt und Übergriffe finden immer dort statt, wo eine gedemütigte oder frustrierte Person versucht sich selbst durch Machtausübung gegenüber einer schwächeren Person aufzuwerten. Frauen werden auch in Österreich von Kindesbeinen an tendenziell dazu konditioniert, Grenzüberschreitungen zu dulden und Aggression eher nach innen (i.e. gegen sich selbst) zu wenden statt sie nach außen zu tragen und sind dadurch meist in der Position der Schwächeren. Das wiederum führt dazu, dass Frauen sich oft schwer tun, ihre Rechte einzufordern und sich aus Not in Abhängigkeitsverhältnisse begeben, wodurch sie wiederum geschwächt werden. Diesen Teufelskreis gilt es zu durchbrechen. 

Bei unseren Selbst-Sicherheits-Workshops in der Frauensicherheit erleben wir häufig, dass Frauen aller Altersstufen und unabhängig von Herkunft oder Religion sich gar nicht bewusst sind, dass sie in Österreich das Recht haben, ihre persönlichen Grenzen selbst zu bestimmen und zu schützen  – und zwar nicht erst, wenn es zu tätlichen Übergriffen kommt. Wir trainieren mit unseren Teilnehmerinnen in erster Linie die selbst-bewusste Wahrnehmung ihrer eigenen Grenzen, stärken ihr Selbstvertrauen und ihre Durchsetzungsfähigkeit und üben einfachste Techniken zur frühzeitigen(!) Abwehr von Übergriffen. Dadurch werden die Frauen in ihrer Selbstsicherheit so gestärkt, dass sie einerseits durch ihr Auftreten und ihre Ausstrahlung für potentielle Belästiger von vornherein weniger interessant werden, andererseits erkennen sie früher, wenn ihnen Unrecht geschieht und haben mehr Mut, sich ggf. frühzeitig externe Hilfe zu organisieren.

Sicherheit ist ein Lebensgefühl!

Wir laden Sie sehr herzlich ein, uns bei unserem Impulsvortrag mit Mini-Workshop „Persönliche Sicherheit“ am 29.4.19 um 18:00 Uhr in der Frauensicherheit im 15. Bezirk, Selzergasse 10 zu besuchen und uns danach bei einem Gläschen und feinen Snacks auch persönlich kennen zu lernen! Bitte um Anmeldung!