Sicherheit durch Solidarität | frauensicherheit

Sicherheit durch Solidarität

Gedanken zum Frauentag

Seit Jahresanfang liest man in den Medien von einer bedenklich steigenden Anzahl an Gewalttaten gegen Frauen und auch in unseren Kursen hören wir häufig, dass sich Frauen in Wien unsicher fühlen. Gleichzeitig leben wir in Österreich in einem der sichersten Länder der Welt, und Wien wurde erst kürzlich wieder zur lebenswertesten Stadt gekürt – auch aufgrund seiner sehr geringen Kriminalitätsrate. Was ist es also, das in uns dieses Gefühl der Unsicherheit erzeugt?

Wir leben auch 100 Jahre nach Einführung des Frauenwahlrechts noch immer in einer patriarchalisch – kapitalistisch geprägten Gesellschaft in der als erfolgreich gilt, wer andere übertrumpft – der stärkste, der schnellste, der lauteste ist Sieger im Kampf um Erfolg und scheinbares Glück.

Was dabei vergessen wird ist die Tatsache, dass ganz oben nur sehr wenige sein können. Statt jedoch gegen den brutalen Konkurrenzkampf um die wenigen Spitzenplätze anzugehen, konzentriert sich unsere Gesellschaft derzeit zunehmend darauf, die Schwächsten möglichst noch schwächer zu machen – in dem Glauben, dass, solange es jemanden gibt, der noch schwächer ist, die eigene Position zumindest nicht die unterste ist. Dabei vergessen wir: am unteren Ende der Pyramide ist viel Platz… 

Wir Frauen befinden uns aufgrund unserer physiologischen und psychologischen Voraussetzungen in einer solchen Gesellschaftsordnung vornherein im Nachteil – einerseits aufgrund unserer im Durchschnitt geringeren Körpergröße und -kraft, andererseits durch unsere hormonell bedingt geringere Aggressivität (von Schwangerschaft und Stillzeit ganz zu schweigen) und als dritten Faktor durch unsere Erziehung, in der uns beigebracht wurde, dass wir nur liebenswert sind, wenn wir freundlich, leise und genügsam sind. Eine so „programmierte“ Frau, die alleine einem aggressiven (weil selbst höchst unsicheren) Mann gegenüber steht, hat auf jeden Fall schlechte Chancen. 

Was können wir also tun, um uns als Frauen sicherer zu fühlen?

Wir müssen als aller erstes unsere Selbstsicherheit stärken. Das bedeutet jedoch nicht, dass wir die Nase in die Luft recken und auf andere herabschauen – das würde nur wieder dem o.a. Gesellschaftsbild entsprechen. Selbstsicherheit bedeutet, dass Frau sich bewusst ist, dass sie einen rechtmäßigen Platz im Leben und in der Gesellschaft hat. Dass sie sich traut, diesen Platz einzunehmen und ihn notfalls auch verteidigt. Dazu muss sie sich erlauben, laut zu sein und ihre Rechte kennen, sodass sie sie auch einfordern kann.

Es gibt schon viele Frauen in Österreich, die selbstsicher durchs Leben gehen. Was wir aber noch dringend brauchen ist mehr Zusammenhalt zwischen uns Frauen. Wer Sicherheit hat, kann Sicherheit geben. Statt zueinander in Konkurrenz zu treten, wer denn die bessere Mutter, Hausfrau, working mom oder Karrierefrau ist, müssen wir einander unterstützen und (auf) einander achten. Wir müssen hinschauen und handeln, wenn eine Frau in Not ist. Wir müssen aber auch endlich (wieder) lernen, einander mehr alltägliche Unterstützung zu geben, wo wir nur können – ob im Job, mit den Kindern oder in der Partnerschaft. Wo eine aufmerksame Nachbarin Schutz und Hilfe bietet, wird ein Beziehungsstreit seltener gewaltsam enden; wo die Kollegin sich einmischt, wird eine unerwünschte sexuelle Annäherung schnell vorbei sein; wo mehrere Frauen aufeinander schauen, werden k.o.-Tropfen kaum zum Einsatz kommen… 

Selbstsicherheit kann Frau lernen  – z.B. in unseren Trainings.

Solidarität müssen wir leben.*)

Wir wünschen einen schönen Frauentag!

 

*)natürlich laden wir auch alle Männer ein, sich mit uns Frauen zu solidarisieren ?